Ökumenischer Gruß zur Urlaubszeit

Liebe Mitmenschen im Ökumenischen Gemeindezentrum und alle, die sich uns verbunden fühlen!

Nun ist es mir bald erlaubt, Urlaub zu machen. Ich freue mich darauf schon fast wie auf Weihnachten.

Gedanken vor dem Urlaub

Zeit werde ich haben für Gott und seine schöne Welt, für die Frau, für die Kinder, für den Hund und für mich. Ohne Termine, Telefon und E-Mails kann ich endlich tun und lassen, was ich will, auch unvernünftiges und kindliches Zeug. Viel lesen werde ich. Berge, Seen und Bäche, Wälder und Wiesen, Blumen und Tiere werden mein Herz erfreuen. Bewegung wird meinem Leib und seiner Gesundheit guttun. Neugierig will ich sein, Neues zu entdecken und zu erleben, andere Länder, andere Orte, andere Sitten, andere Menschen. Nicht »Ferien vom Ich« sollen es werden, sondern »Ferien fürs Ich«. Ich will mich nicht blenden lassen von großen Worten und schönen Bildern in bunten Prospekten, auf Webseiten und sonstigen Medien. Nicht immer wird mir die Sonne scheinen. Ich will meine Erwartungen und Wünsche nicht zu hochschrauben. Meine Probleme reisen im Koffer mit.Vielleicht werden wenigstens einige lösbar sein.

 

Träume während des Urlaubs

Ich liege unter dem Gipfelkreuz, ein wenig erschöpft von dem Aufstieg und wohlig müde, aber vor allem glücklich und froh, in schöpferischer Ruhe und Muße. Alles ist still um mich, voller Frieden. So ist es leicht, für den morgigen Tag nicht zu sorgen. Ich schließe die Augen und träume. Bilder und Farben werden für das innere Auge lebendig. Alles, was mich beschwert und belastet, liegt hinter mir, unter mir. So könnte es sein im Paradies, ohne Leid, Geschrei und Schmerz.Ein Flugzeug zieht über den blauen Himmel, ganz friedlich. Und doch weckt mich der Lärm unsanft. Aus ist der Traum. Flugzeuge mit Bomben an Bord, Militär-Raketen und Artillerie wie im gegenwärtigen Krieg in der Ukraine drängen sich mir in den Sinn. Wen oder was werden sie treffen? Ich denke an Menschen, die hungern, leiden, krank sind oder sterben. Andere fallen mir ein, die sich keinen Urlaub leisten können, obwohl sie ihn dringend nötig hätten. Die Gedanken sind es zuerst und dann die Füße, die mich wieder hinuntertragen ins Tal, in die Niederungen des Alltags.

Gedanken nach dem Urlaub

Die schönen Tage sind vorüber. Der Ernst des Lebens hat mich wieder. Dankbar bin ich für alles Schöne, was ich erlebte, dankbar den Menschen, die für mich arbeiteten, damit ich faulenzen konnte. Zurückgeholt bin ich aus dem Sonntag des Urlaubs in den Werktag der Arbeit. Ob ich erholt bin? Die Mitmenschen und Mitarbeiter werden es merken. Braun gebrannt bin ich; aber braun ist eine Farbe, kein Zustand. Ungefragt will ich meine Erlebnisse nicht erzählen, meine Fotos nicht zeigen. Ich will nicht angeberisch wirken und übertrieben mitteilsam. Vielleicht gelingt es, ein Stück Paradies zu erhalten, für mich und die anderen. Was an mir ist, will ich dazu tun.

»Herr wie sind deine Werke so groß und viel;
du hast sie alle weislich geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.«

(Psalm 104,24)

Ich wünsche Ihnen erholsame Sommerferien und grüße Sie herzlich, auch im Namen von Pfarrer Stefan Schäfer und Pfarrer Simon Wiegand

Ihr

Dr. Frank Möller

(Vertreter des Kirchenvorstands)