Geistliches Wort von Pfr. Stefan Schäfer

Pfr. Stefan Schäfer

"Tut dies zu meinem Gedächtnis!"
Unverlierbar hat sich die Szene in die Erinnerung der Christenheit eingebrannt:
Wie der Herr am Abend vor seinem Tod das Brot nimmt und später, gegen Ende des Mahles, den Becher mit Wein und die Worte spricht: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Das ist der Kelch des neuen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“
Viermal wird das, immer mit fast den gleichen Worten, im Neuen Testament überliefert. 
So wird es im Zentrum des Hochgebets jeder katholischen Messe verkündet und ebenso in jeder Abendmahlfeier in den evangelischen Kirchen. Dieselben Worte erklingen feierlich in der eucharistischen Liturgie der Ostkirche.
Auch wenn die Konfessionen sich darin unterscheiden, wie sie die Vergegenwärtigung des Herrn in diesem Erinnern verstehen – sie stimmen doch darin überein, seinem Auftrag treu bleiben zu wollen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ 
Überall, wo Christen so im Namen ihres Herrn zusammenkommen, glauben sie, dass sie mit ihm verbunden sind und dass, wie auch immer es theologisch zu interpretieren und begrifflich zu fassen ist, er dann in ihrer Mitte gegenwärtig ist: in derselben Liebe, die ihn in den Tod gehen ließ für uns und für alle, ausgedrückt in denselben Zeichen, Gesten und Worten wie damals im Abendmahlssaal.
Um es mit Martin Luther zu sagen: „Christus ist gegenwärtig – wie, das lass Gott befohlen sein.“
Zum 3. Ökumenischen Kirchentag ist aus der verbindenden Glaubenserfahrung ein gemeinsames Zeugnis und ein Zeugnis der Gemeinsamkeit formuliert worden:
„Als Christinnen und Christen erfahren wir die Gegenwart Jesu Christi an allen Orten, an denen sich Menschen in seinem Namen versammeln. 
Wir glauben gemeinsam, dass Jesus Christus selbst uns im verkündigten Wort des Evangeliums anspricht. 
Wir vertrauen darauf, dass Jesus Christus – wie er es uns zugesagt hat – in der Feier des Abendmahls und in der Feier der Eucharistie wahrhaft und wirksam gegenwärtig ist.
Wir verkündigen seinen Tod für uns; wir glauben, dass er auferstanden ist und lebt; wir hoffen, dass er wiederkommt zum Heil der Welt.“
Dieses Zeugnis sollte Zuspruch sein und Ansporn auch für unsere Gemeinden im Ökumenischen Gemeindezentrum in Kranichstein.
Wir dürfen uns in der Haltung gegenseitiger Gastfreundschaft bestätigt und zu ihr ermutigt fühlen: 
Der Herr selbst, nicht eine Kirche, ist der Einladende. Er schenkt die Glaubenserfahrung seiner wirklichen Gegenwart im Abendmahl und in der Eucharistie.
So heißt es im Zeugnis des 3.Ökumenischen Kirchentages:
„Gemeinsam feiern wir dieses Geheimnis unseres Glaubens und lassen uns von ihm zu seinem Gedächtnis sagen: schaut hin und erkennt mich beim Brechen des einen Brotes und in der Gabe des einen Bechers für euch alle. Dann geht in meinem Geist verwandelt und gestärkt in die Welt.“ 

Ihr Pfarrer
Stefan Schäfer