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Konstante in Gemeinde und Ökumene

Pfarrer Dietmar Volke vor dem ÖGZ/ Foto: Ulrike Volke

Pfarrer Volke geht in Ruhestand
Als Dietmar Volke 1993 in die Philippus-Kirchengemeinde im Ökumenischen Gemeindezentrum Kranichstein (ÖGZ) zurückkam, ahnte er nicht, dass er sein ganzes Berufsleben lang hier bleiben würde. Bereits sein Vikariat hatte der Theologe hier 1983 bis 1985 gemacht. Es habe schon mal Anfragen und Möglichkeiten gegeben zu wechseln, sagt der Fünfundsechzigjährige. „Aber ich habe mich für Kranichstein entschieden“, so Volke, der nach einer Zwischenstation als Pfarrvikar in Gräfenhausen/Schneppenhausen nach Kranichstein zurückkam. Seine Ehefrau Ulrike war in der Schule im Nachbarstadtteil Arheilgen tätig, und die beiden gemeinsamen Söhne wuchsen im Pfarrhaus in Kranichstein auf. Hier sollte Dietmar Volke rund 30 Jahre eine Konstante in der Gemeinde und in der Ökumene werden. „Ich bin gern Gemeindepfarrer gewesen“, sagt Dietmar Volke, der aus dem Vogelsberg stammt. Auch wenn er sich den Beruf des Journalisten, den er noch vor seinem Theologiestudium erlernt und ausgeübt hat, ebenso hätte vorstellen können: „Eine Botenaufgabe haben beide.“

An der Philippus-Kirchengemeinde hat er besonders die „tolle Mitarbeitendenschaft“ über die vielen Jahre hinweg geschätzt. „Wir hatten im Kirchenvorstand immer ein sehr gutes Miteinander“, so Volke. Aber auch im ökumenischen pastoralen Team hat er gern gearbeitet. Dankbar ist er, dass sie „mit unterschiedlichen Gaben gute Mitspieler zum Wohl des Stadtteils in seiner Vielfalt sein konnten“, wie er es beschreibt.

Für den Umgang mit seiner Gemeinde findet er ein biblisches Bild passend: „Schafe sind nicht dumm. Sie finden ihren Weg selbst. Der Hirte muss sie nicht gängeln, er begleitet sie und sorgt für sie.“ So habe er sich selbst auch immer gesehen: als Begleiter, der schaut, wo er gebraucht wird, und dann da ist. Mit „großem Vertrauen in das Leben und in Gott“ begegnete er den Menschen, nicht mit fertigen Antworten, wie er sagt, sondern er ließ sich stets individuell auf ihre Anliegen ein. Am Herzen lag ihm auch die Jugend, die Konfirmandenarbeit hat er bis vor zwei Jahren verantwortet. Gern erinnert er sich an einen ehemaligen Konfirmanden, der gern provozierte. Als er ihm 20 Jahre später wieder begegnete, sei dieser freudestrahlend auf ihn zugekommen: „Herr Volke, war ´ne tolle Zeit damals in Konfi!“ Auch dass der Theologe mithelfen konnte, das Ökumenische Jugendhaus des Gemeindezentrums „auf sichere Füße zu stellen“, macht ihn dankbar und froh.    

Für sein letztes Dienstjahr hätte er sich gewünscht, dass es „etwas ruhiger ausklingt“, gesteht er. Durch Corona kam es dazu nicht. Vielmehr hat er sich durch die neuen Umstände noch einmal neu herausfordern lassen. Als gar keine Gottesdienste möglich waren im ersten Lockdown, hat er die „digitalen Möglichkeiten“ genutzt und angefangen, einen großen E-Mail-Verteiler mit 300 Namen aufzubauen und so Kontakt mit seinen Gemeindegliedern gehalten. „Die Menschen in Kranichstein schätzen es, von ihrer Kirche angesprochen zu werden“, so Volke. Bei allen Einschränkungen und auch Leid habe er die Coronazeit aber nicht nur als defizitär erlebt, wie er sagt, sondern auch Chancen genutzt. Auch dass Weihnachten ökumenisch gefeiert und digital nach Hause übertragen wurde, war ein Novum.

Dass er fast sein ganzes Pfarrerleben unter dem ökumenischen Dach verbracht hat, bleibt auch für ihn etwas Besonderes. „Wir wissen um unsere jeweiligen Stärken und Schwächen“, sagt Dietmar Volke. Immer wieder habe man die Schnittmenge gesucht und das enge ökumenische Miteinander an der Basis als „Erprobungsfeld“ angesehen. Ein Höhepunkt war für Dietmar Volke etwa der ökumenische Gottesdienst mit Bischof Peter Kohlgraf im Februar am Kirchentagssonntag. Viele geplante Jubiläumsfeiern im vorigen Jahr zum 40-jährigen Bestehen des Ökumenischen Gemeindezentrums mussten ausfallen. Ein gemeinsamer Gottesdienst konnte dann doch noch im November gefeiert werden.

Katholische und Evangelische Kirche befänden sich in tiefgreifenden Veränderungsprozessen, so Volke. In Kranichstein sei ökumenisch viel erreicht, sagt er. „Nämlich Ökumene zu leben, sie im Alltag immer wieder neu zu buchstabieren und weiter zu entwickeln. Das fällt nicht einfach vom Himmel“, resümiert Volke, „das macht auch viel Arbeit, so wie eine Ehe eben nicht einfach vor dem Traualtar besiegelt ist, sondern im Alltag gelebt werden will.“ Die Bewährungsprobe stehe noch aus: „Was wird aus der Ökumene, wenn es in beiden Kirchen sehr viel enger wird, Ressourcen und Kräfte weniger werden?“ fragt der Protestant.

Dietmar Volke und seine Frau Ulrike, die sich auch in der Gemeinde engagiert hat, ziehen aus dem Pfarrhaus jetzt an den Rand des Stadtteils. Für große Pläne im Ruhestand war noch keine Zeit. Doch er freue sich nun erst einmal „auf die neue Freiheit – ohne dichtes Arbeitskorsett“. Und Dietmar Volke ist sich sicher: „Langweilig ist mir in meinem Leben noch nie geworden.“                                                                                                               
Rebecca Keller
Öffentlichkeitsarbeit
Ev. Dekanat Darmstadt-Stadt