Wegscheiden auf dem Pastoralen Weg

Der pastorale Weg: Weichenstellung für Darmstadt

Zum Stand der Dinge

Im Jahr 2030 soll das Ziel erreicht sein: Dann wird es im Bistum Mainz nur noch 50 Pfarreien geben. Die rund 300 Pfarreien, die derzeit in 134 Pfarrgruppen und Pfarreienverbünden mehr oder weniger gut zusammenarbeiten, werden aufgelöst und in neue Einheiten überführt. Der „Pastorale Weg“ führt zum Ende der klassischen Pfarrgemeinde.

Das kirchliche Leben in den neu gebildeten Großpfarreien wird sich verändern. Der Sorge, dass die Gläubigen ihre religiöse Heimat verlieren, begegnet man seitens der Bistumsleitung mit einer Vision:

„Der Glaube lebt in vielen unterschiedlichen Gemeinden und in vielfältigen Gruppen, Einrichtungen, Initiativen und Verbänden (. . .) Die Pfarrei der Zukunft im Bistum Mainz ist als Netzwerk zu denken, in dem diese Glaubensorte sich miteinander verbinden“ (Pfarrei neu denken, Grundlagen des Pastoralen Weges, Infoflyer 03).

Ob in den neuen Strukturen kirchliches Leben sich entfaltet und vielleicht sogar Impulse für einen Aufbruch freigesetzt werden, wird entscheidend vom Engagement der Gläubigen in den Gemeinden, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, abhängen. Immerhin hat man dort auch schon bevor der „Pastorale Weg“ als Zukunftsprojekt aufgelegt worden ist, sich darin geübt, „über den eigenen Kirchturm“ hinauszuschauen, mit anderen kirchlichen und nichtkirchlichen Akteuren zu kooperieren und den Kontakt zu denen zu suchen, die im Gemeindeleben normalerweise nicht vorkommen. Die Leitfrage, die dem Bistumsprozess sein pastorales Ziel weisen soll: „Bekommen die Menschen, was sie brauchen und brauchen sie, was sie bekommen?“, dürfte vielen Pfarrgemeinderäten nicht überraschend und neu erscheinen.

Weichenstellungen in Darmstadt

Im Dekanat Darmstadt stehen in nächster Zeit Weichenstellungen auf dem „Pastoralen Weg“ an. Auf dem Hintergrund eines umfassenden und sehr aufwändig dokumentierten Arbeits- und Diskussionsprozesses sollen Entscheidungen zu künftigen Strukturen vorbereitet werden:

  • Wie werden die derzeit 21 Pfarreien in ein „Netzwerk“ von Gemeinden und Einrichtungen in „Pfarreien der Zukunft“ überführt werden?
  • Wird es dann nur noch eine Großpfarrei geben, deckungsgleichmit dem Gebiet des Dekanats?
  • Oder wird ein Zwei-oder Drei-Pfarreien-Modell präferiert?
  • Wie wären dann Zuordnungen vorzunehmen und Grenzen zu ziehen?

In den Gremien der Pfarrgemeinde werden die Optionen auch in St. Jakobus diskutiert werden. Der Pfarrgemeinderat wird darüber hinaus nach Wegen suchen, ein Meinungsbild aus der Gemeinde einzuholen. Er sieht Jakobus gut aufgestellt, um sich in Zukunft in das Zusammenspiel einer „Gemeinschaft von Gemeinden“ in einer wie auch immer zugeschnittenen Pfarreistruktur einzubringen. Nicht zuletzt stellt das Zusammenspiel mit Philippus im Ökumenischen Gemeindezentrum, ein Alleinstellungsmerkmal dar. Die Herausforderung des Strukturprozesses  im Dekanat und im Bistum wird darin bestehen, in Kranichstein das Profil auf dem Feld der Ökumene noch weiter zu schärfen.

Eine unerbetene Chance: nutzen!

Der „Pastorale Weg“ im Bistum Mainz ist, wie vergleichbare kirchliche Reformprozesse andernorts, zunächst einfach eine Reaktion auf knapp werdende Ressourcen: Die Katholische Kirche in Deutschland leidet an Mitgliederschwund und rückläufigen Kirchensteuereinnahmen. Und es fehlt ihr an Priestern. Es handelt sich um eine durch die Umstände erzwungene Reform, eine „unerbetene Chance“, wie der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher auch im Blick auf vergleichbare Prozesse formuliert. Aber es ist eben doch auch eine Chance, die sich auf dem „Pastoralen Weg“ für die Gemeinden eröffnet: sich ihrer selbst zu vergewissern, Verkrustungen zu entdecken und – nicht zuletzt – die Verantwortung für die Gestaltung ihres „Kircheseins“ in die eigenen Hände zu nehmen.

Es gilt nun, die „unerbetene Chance“ zu nutzen!


Pfarrer Stefan Schäfer

 

Ergebnis:

Download des St.-Jakobus-Votums über die Strukturmodelle (PDF)

 

Weiterführende Informationen:

Download Hinweise zum weiteren Verfahren (Stimmungsbild, PDF)

Download Übersicht möglicher Strukturen (PDF)