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Sie haben schon so manchen Konflikt entschärft

Die neue VIPeers-Generation vor dem ÖKJH. Im Corona-Abstand und mit Corona-Schutzmaske/ Foto: Andreas Krauß

VIPeers suchen das Gespräch mit Jugendlichen

Andreas Krauß hat es sich vor über 17 Jahren ausgedacht: Wie ist es hinzukriegen, dass der Dampf aus Konflikten in Kranichstein rausgenommen wird? Zum Beispiel aus Konflikten mit Bewohnern, weil sich nachts Jugendcliquen an einem bestimmten Platz treffen und die Anwohner durch den Lärm in ihrem Schlaf gestört werden. Die Idee von Andreas Krauß: Junge Erwachsene, die selbst in Kranichstein aufgewachsen sind und sich auskennen, weil sie selbst solchen herumziehenden Gruppen entstammen, sollen sich um solche Probleme und Konflikte kümmern. Sie wurden zu „wichtigen Leuten“, VIPs (very important persons), die einen „guten Draht“ zu ähnlichen jungen Leuten (Peergroup) haben. Das V.I.Peers-Projekt war geboren. Seit über 17 Jahren engagieren sich junge Leute als VIPeers und bemühen sich um eine Konfliktminimierung im Stadtteil. Inzwischen schon in der zweiten oder dritten Generation. Das Projekt ist anerkannt und wurde sogar ausgezeichnet. Auch von den Verantwortlichen der Stadt Darmstadt wird es geschätzt und darum auch finanziert. So waren die VIPeers im Corona-Herbst gefragt, als es im Orangerie-Park zu spätabendlichen Treffen von Jugendlichen kam.

Ende Januar traf sich jetzt die zweite und dritte Generation der VIPeers. Derzeit sieben Männer und 2 Frauen. Sie sind zwischen 19 Jahren und Anfang 30 alt. Es gibt weitere Interessentinnen, die mitmachen wollen. Vorm „´Ökumenischen“ zeigten sie sich im neuen Outfit mit dem VIPeers-Logo (Foto). „Mit Corona-Masken sah das ganze ziemlich martialisch aus“, sagte Krauß. „Nicht so in echt.“ Mit ihrem Kapuzen-Pullover, Hoody, kommen die VIPeers vielmehr im jugendlichen Chic daher und begegnen anderen Jugendlichen auf Augenhöhe. Auch Problemgruppen. In der Arbeit auf der Straße werden diese Jugendlichen nicht einfach ‚vertrieben’, sondern ernst genommen und es werden möglichst Vereinbarungen auf Gegenseitigkeit getroffen. Dieses Engagement war in der Vergangenheit auch ein ganz praktischer Beitrag für gelungene Integration in Kranichstein.

Andreas Krauß, seit 21 Jahren evangelischer pädagogischer Mitarbeiter im Ökumenischen Kinder- und Jugendhaus des Gemeindezentrums ist über all die Jahre der Koordinator des Projektes und hat es weiterentwickelt. Bislang war das Netzwerkes ROPE Träger des Projektes. Jetzt kommt zusammen, was zusammen gehört. Seit diesem Jahr ist das V.I.Peers-Projekt an das Ökumenische Kinder- und Jugendhaus (ÖKJH) angegliedert; Träger ist jetzt die Evangelische Philippusgemeinde. Auch das ein Baustein, um das „´Ökumenische“, wie das von den Kirchen getragene Kinder- und Jugendhaus genannt wird, auch für die Zukunft gut aufzustellen.

2015 erfuhr das V.I.Peers-Projekt eine besondere Anerkennung: die HSE-Stiftung zeichnete es mit dem Charlotte-Heidenreich-von-Siebold-Preis aus. Mit diesem Preis würdigt die HSE-Stiftung Menschen und Initiativen für ihr herausragendes bürgerliches Engagement in Darmstadt. „Der Preisträger soll ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden und eine Anerkennung für seinen vorbildlichen Einsatz bekommen“, hieß es vor sechs Jahren bei der Preisverleihung im Darmstadtium.