11.04.2017

Wie viel Gemeinsamkeit ist möglich?

Ökumenisches Bundestreffen in Gelsenkirchen


Fotos: W. Lich (zum Vergrößern bitte anklicken)

Zwei Jahre ist es her, dass unser ÖGZ Gastgeber eines Bundestreffens der Ökumenischen Zentren war. Spontan und voller Begeisterung hatten sich damals nach dem Ende des dreitägigen Treffens Pfarrerin Sabine Mosel und ihr Mann  aus Gelsenkirchen dafür ausgesprochen, sich beim nächsten Mal im Ökumenischen Zentrum St. Ida im Gelsenkirchener Stadtteil Resser Mark zu treffen. Das fand nun vom 31. März bis 2. April statt. Teilnehmer aus Darmstadt, Gelsenkirchen, Lüneburg, Nürnberg, Stuttgart und Würzburg waren angereist, die Gruppe aus Kranichstein mit 11 Personen war die größte Abordnung. "Wie viel Gemeinsamkeit ist möglich?" lautete das Thema, der Untertitel "gemeinsame Gebäude - gemeinsame Veranstaltungen - gemeinsame Gottesdienste" vielversprechend.

Der Tagungsort war einzigartig. Die katholische Kirche St. Ida mit der kleinsten Glocke der Stadt Gelsenkirchen ist die einzige in der Region, die ganz offiziell auch Heimat einer evangelischen Kirchengemeinde ist. Eine Simultankirche also. 2001 sah man ein, dass beiden Gemeinden ihre Kirchen  nicht mehr alleine finanziell unterhalten könnten. St. Ida war vorher bereits Teil von St. Urbanus, der heute größten katholischen Pfarrei in Deutschland mit sieben Gemeinden. Ein Vertrag regelt die Nutzung von Kirche und Gemeindehaus in ökumenischer Eintracht.

Begonnen hat das Treffen mit einem ökumenischen Kreuzweg am Freitagabend. Sehr eindrucksvoll wurde an neun Stationen auf dem drei Kilometer langen Weg durch die Straßen des Stadtteils die Leidensgeschichte auch szenisch dargestellt.

Pfarrer Jens Nieper, Geschäftsführer des Jerusalemsvereins und Nahostreferent des Berliner Missionswerks und Propst Markus Pottbäcker (Gelsenkirchen) näherten sich am folgenden Tag dem Thema des Treffens aus evangelischer und katholischer Sicht. Beide hatten in ihren Referaten immer wieder die Gemeinsamkeiten in der Ökumene hervorgehoben. Wenn man aber genau hinhörte musste man das Gefühl haben, dass die Frage, was verstehen wir unter Einheit, im Ruhrgebiet noch etwas anders beantwortet wird als zum Beispiel im Kranichsteiner Gemeindezentrum. Pottbäcker prägte den durchaus anerkennenswerten Satz "500 Jahre seit der Reformation  auf unterschiedlichen Wegen sind ja nicht Nichts - und das ist viel", aber im Hinblick auf die Zukunft der Ökumene sei Geduld eine Herausforderung.

Wer mit dem Gesagten und der Diskussion am Nachmittag nicht ganz einverstanden war, der wurde am Sonntag mit einem musikalischen Leckerbissen versöhnt. Im Gottesdienst sangen der katholische St. Ida-Chor und der evangelische Johannes-Chor - unterstützt von einem kleinen Orchester - die Missa brevis ("Spatzenmesse") von Wolfgang Amadeus Mozart auf einem beachtlichen Niveau.

Nach einem gemeinsamen Fastenessen traten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bewusstsein eines besonderen Treffens ihre Heimreise an.

Wolfgang Lich


 

 

Ökumenisches Gemeindezentrum