22.02.2018

"zusammenwachsen...

oder zusammen wachsen"?


„Fastenzeit ist Wachstumszeit“ – dieser Slogan ist mir vor einiger Zeit in die Augen gesprungen und geht mir seither nicht mehr aus dem Sinn. Für die evangelischen Geschwister müsste es korrekterweise heißen: „Passionszeit ist Wachstumszeit“.
Auf den ersten Blick ist das paradox – denn was hat Fasten, was hat Passion mit Wachstum zu tun? – Da geht es doch um Umkehr, Verzicht und Buße, oder?
Doch halt – es lohnt sich ein zweiter Blick: Die Fastenzeit lädt uns ein, aus freien Stücken und ohne Zwang auf etwas zu verzichten und stattdessen mit anderen zu teilen. Das besitzt große Aktualität, nicht nur für jede und jeden persönlich, sondern auch für das gesellschaftliche Leben. In frei gewählter Einfachheit können wir es aufgeben, Überflüssigem hinterher zu laufen und uns stattdessen auf das Wesentliche konzentrieren.
  
Und in Passion steckt nicht nur Leiden, sondern auch Leidenschaft. Es könnte also in der Passionszeit darum gehen, unsere Leidenschaft für das Leben neu zu entfachen und über die Leidenschaft Gottes für uns zu staunen.

Wachstumszeit – das ist nicht nur in den Wochen vor Ostern und nicht nur bei den Christen ein gutes Motto, sondern auch insgesamt in unserem Stadtteil Kranichstein, der dieses Jahr sein 50. Bestehen feiert. Was da alles gewachsen ist in 50 Jahren, darüber können wir nur staunen!

Aber geht es jetzt eigentlich ums Zusammenwachsen, d.h. darum, eins zu werden? Oder darum, zusammen zu wachsen, d.h. gemeinsam groß und stark zu werden, aber ganz individuell und auf jeweils eigene Weise?
  
Ich möchte eine Lanze für die zweite Variante brechen. Legt man sie zugrunde, entsteht ein buntes Netzwerk. Alle können aus verschiedenen Richtungen und mit unterschiedlichen Begabungen und Schwerpunkten gemeinsam an dem einen großen Ganzen bauen – unseren Kirchengemeinden, unserem Stadtteil, unserer Welt. Und wir können uns an der Größe und Schönheit und an den Stärken des Anderen freuen, ja in Vielfalt einander ergänzen. Wie bei einer bunten Frühlingswiese: Wie langweilig wäre es, wenn da nur eine Sorte Blumen blühen würden? Der Reiz und die Schönheit entsteht durch die Vielfalt.

Sonja Knapp
Pastoralreferentin


 

 

Ökumenisches Gemeindezentrum